Einmaleins lernen: Ein einfacher 4-Schritte-Plan für Eltern

Zeig zuerst, was Multiplikation bedeutet: gleiche Gruppen und Punktefelder. Lerne dann die leichten Reihen zuerst (1, 10, 2, 5), übe etwa 5 Minuten am Tag das Antworten aus dem Kopf und verbinde das Ganze am Ende mit der Division. In den USA sollen Kinder bis zum Ende der 3. Klasse alle Aufgaben bis 9 × 9 auswendig können.

Das Einmaleins fühlt sich für viele Kinder wie eine Mauer an. Vor 100 Aufgaben auf einmal erstarren sie. Die gute Nachricht: Es sind viel weniger Aufgaben, als es aussieht, und mit der richtigen Reihenfolge wird jeder Schritt klein.

Dieser Plan hat vier Schritte. Viele Kinder zwischen 7 und 9 Jahren schaffen sie in ein paar Monaten, mit etwa 5 Minuten Üben am Tag.

Wann lernen Kinder das Einmaleins?

Die meisten Kinder starten mit 7 oder 8 Jahren. In den USA bauen die Common-Core-Standards in der 2. Klasse Punktefelder und wiederholtes Addieren auf. Die Multiplikation selbst ist ein Thema der 3. Klasse, und das Ziel am Jahresende ist klar: alle Produkte aus zwei einstelligen Zahlen auswendig wissen.

Andere Länder nutzen andere Altersstufen und Klassennamen, aber die Reihenfolge der Fähigkeiten ist überall ähnlich: erst verstehen, dann einprägen.

Schritt 1: Zeigen, was Multiplikation bedeutet

Bevor etwas auswendig gelernt wird, sollte dein Kind wissen, was “3 × 4” heißt. Es heißt 3 Gruppen mit je 4. Ein Kind, das das versteht, kann sich eine vergessene Aufgabe immer wieder neu bauen.

Gleiche Gruppen mit Dingen aus dem Haushalt

Nimm Kekse, Spielzeugautos, Münzen oder Socken.

  1. Leg auf jeden von 3 Tellern 4 Kekse.
  2. Frag: “Wie viele Teller? Wie viele Kekse auf jedem Teller? Wie viele sind es zusammen?”
  3. Schreibt es gemeinsam auf: 3 × 4 = 12.

Mach das ein paar Tage lang mit anderen Zahlen. Dein Kind legt die Gruppen selbst und sagt den Satz: “3 mal 4 ist 12.”

Punktefelder legen und das Tauschen entdecken

Ein Punktefeld zeigt dieselben Gruppen in ordentlichen Reihen. Leg 3 Reihen mit je 4 Knöpfen. Dreh jetzt das Blatt um eine Vierteldrehung: Es sind 4 Reihen mit je 3, und immer noch 12 Knöpfe.

Das ist der nützlichste Trick im ganzen Plan. Weil 3 × 4 = 4 × 3 ist, steckt in jeder gelernten Aufgabe eigentlich eine zweite. Aus den 100 Aufgaben im Einmaleins-Quadrat werden nur noch 55 verschiedene.

Bereit für Schritt 2, wenn dein Kind jede kleine Multiplikation mit Gegenständen zeigen und mit eigenen Worten erklären kann.

Schritt 2: Die Reihen in der leichten Reihenfolge lernen

Geh nicht einfach der Reihe nach 1, 2, 3, 4 vor. Fangt mit den Reihen an, deren Muster dein Kind sehen kann. Jede neue Reihe nutzt dann Aufgaben, die es schon kennt.

ReihenfolgeReiheDer Trick
11er-ReiheJede Zahl mal 1 bleibt gleich.
210er-ReiheHäng eine 0 an: 10 × 7 = 70.
32er-ReiheDas ist verdoppeln: 2 × 8 = 8 + 8.
45er-ReiheDie Hälfte der 10er-Reihe: 5 × 8 ist die Hälfte von 80. Die Ergebnisse enden auf 0 oder 5.
511er-ReiheBis 9 wiederholt sich die Ziffer: 11 × 6 = 66.
64er-ReiheVerdoppeln und noch einmal verdoppeln: 4 × 7 = 14, dann 28.
73er-ReiheDie 2er-Reihe plus eine Gruppe mehr: 3 × 6 = 12 + 6.
89er-ReiheDie 10er-Reihe minus eine Gruppe: 9 × 6 = 60 - 6.
96er-ReiheDie 5er-Reihe plus eine Gruppe mehr: 6 × 7 = 35 + 7.
108er-ReiheDreimal verdoppeln: 8 × 3 = 6, 12, 24.
117er-ReiheNur 7 × 7 = 49 ist neu. Der Rest ist aus früheren Reihen bekannt.
1212er-ReiheDie 10er-Reihe plus die 2er-Reihe: 12 × 4 = 40 + 8.

Schau dir die 7er-Reihe an, vor der Kinder die meiste Angst haben. Wenn ihr dort ankommt, kennt dein Kind 7 × 2, 7 × 3, 7 × 4, 7 × 5, 7 × 6, 7 × 8 und 7 × 9 schon aus den anderen Reihen. Nur 7 × 7 bleibt übrig.

Der Fingertrick für die 9er-Reihe

Halte alle 10 Finger hoch. Für 9 × 4 klappst du den 4. Finger um. Links davon sind 3 Finger, rechts davon 6: Das Ergebnis ist 36. Das klappt bei jeder Aufgabe bis 9 × 10, und Kinder lieben es.

Noch eine Kontrolle: Die Quersumme jedes Ergebnisses bis 9 × 10 ist 9 (3 + 6 = 9).

Bereit für die nächste Reihe, wenn dein Kind den Trick erklären und jede Aufgabe der Reihe ausrechnen kann, ohne Finger für Finger zu zählen.

Schritt 3: Abfragen üben, 5 Minuten am Tag

Zu wissen, wie man 6 × 7 ausrechnet, ist nicht dasselbe, wie es einfach zu wissen. Um schnell zu werden, muss dein Kind Aufgaben aus dem Gedächtnis abrufen. Hier zählt kurzes, regelmäßiges Üben.

Warum Antworten aus dem Kopf besser ist als Aufsagen

Wenn dein Kind “einmal sieben ist sieben, zweimal sieben ist vierzehn” aufsagt, fühlt sich das produktiv an, doch es muss nie selbst eine Antwort finden.

In einer Studie von 2023 mit 48 Zweitklässlern übte eine Gruppe die 3er- und 4er-Reihe mit Karteikarten und beantwortete jede Aufgabe aus dem Gedächtnis. Eine andere Gruppe sagte dieselben Aufgaben laut auf. Die Karteikarten-Gruppe wurde schneller und genauer und behielt diesen Vorsprung auch eine Woche später. Es war eine kleine Studie mit zwei Reihen, aber sie passt zu dem, was Lehrkräfte sehen: Kinder lernen Aufgaben, indem sie sie abrufen, nicht indem sie sie hören.

So geht es in der Praxis:

  • Karteikarten: vorne die Aufgabe, hinten die Lösung. Bildet zwei Stapel: “wusste ich” und “noch nicht”. Wiederholt den Stapel “noch nicht”.
  • Blitzfragen im Auto oder beim Abendessen: “Was ist 6 × 4?”
  • Abdecken: Schreibt die Reihe auf, deckt ein Ergebnis mit einer Münze ab und fragt danach.
  • Spiele: Karten- und Würfelspiele machen aus Üben ein Spiel. Ideen ohne Bildschirm findest du in unseren kostenlosen Mathe-Spielen für die Grundschule.
  • Zum Ausdrucken: hängt eine kostenlose Einmaleins-Tabelle an die Wand, oder erstellt Einmaleins-Arbeitsblätter mit den Reihen, die dein Kind gerade lernt, samt Lösungen.

Ein Übungsplan für eine Woche

Fünf Minuten am Tag reichen. Hör auf, solange es noch Spaß macht.

TagWas du tust (etwa 5 Minuten)
MontagDie neue Reihe mit ihrem Trick einführen. Zwei Aufgaben daraus mit Gegenständen legen.
DienstagKarteikarten nur für die neue Reihe. In “wusste ich” und “noch nicht” sortieren.
MittwochErst der Stapel “noch nicht”, dann die ganze neue Reihe in zufälliger Reihenfolge.
DonnerstagDie neue Reihe mit 5 Aufgaben aus älteren Reihen mischen.
FreitagEin Spiel mit der neuen Reihe spielen.
WochenendeEin paar Blitzfragen, nur zum Spaß.

Wenn die meisten Karten gleich auf den Stapel “wusste ich” wandern, geht es weiter.

Apps zum zusätzlichen Üben

Wenn dein Kind gern am Bildschirm spielt, kann eine App einen Teil des Übens übernehmen. In unserer App Math Learner gibt es die Multiplikations-Welt, die das Einmaleins in kleinen Schritten über 50 Level lehrt. Bei einer falschen Antwort wird die richtige gezeigt, so lernen Kinder aus Fehlern, statt festzustecken, und das Zeugnis zeigt Eltern, wie es bei jedem Thema läuft. Die ersten 15 Level jeder Welt sind kostenlos.

Nutze jede App als Ergänzung zu den Schritten oben, nicht als Ersatz. In unserem Ratgeber zu den besten Mathe-Apps für Kinder vergleichen wir die wichtigsten Angebote.

Das Zeugnis in Math Learner mit dem Fortschritt je Fähigkeit

Schritt 4: Mit Division und Alltagsaufgaben verbinden

Sitzt eine Reihe, zeig deinem Kind, dass in jeder Multiplikationsaufgabe eine Divisionsaufgabe steckt. Wenn 3 × 4 = 12 ist, dann ist 12 : 4 = 3 und 12 : 3 = 4.

Geh zurück zu den Keksen: 12 Kekse, gerecht auf 3 Teller verteilt, ergeben 4 auf jedem Teller. Es ist dasselbe Bild, nur rückwärts.

Dann nutzt ihr die Aufgaben im Alltag:

  • “In jeder Packung sind 6 Joghurts. Wir haben 3 Packungen. Wie viele Joghurts sind das?”
  • “Eine Eintrittskarte kostet 5 Euro. Was zahlen 4 Personen?”
  • “Wir haben 20 Erdbeeren für 4 Personen. Wie viele bekommt jeder?”

Solche Sachaufgaben zeigen, dass das Einmaleins nützlich ist, und das motiviert Kinder oft am meisten.

Ist mein Kind bereit für die nächste Reihe?

Mit diesem kurzen Check weißt du es, bevor ihr weitergeht:

  • Es kann erklären, was die Aufgabe bedeutet (“6 Gruppen mit je 7”).
  • Es kann den Trick der Reihe anwenden.
  • Es antwortet bei den meisten Aufgaben in etwa 3 Sekunden, ohne einzeln zu zählen.
  • Es kennt die Aufgaben aus älteren Reihen auch dann noch, wenn sie untergemischt sind.

Wenn zwei oder mehr davon wackeln, bleibt noch eine Woche bei derselben Reihe. Das ist normal.

Wenn dein Kind nicht weiterkommt oder frustriert ist

Die meisten Kinder haben irgendwann eine schwere Woche. Das hilft:

  • Die Aufgabe kleiner machen. Übt 3 Aufgaben statt 10.
  • Einen Schritt zurückgehen. Wenn 6 × 7 einfach nicht hängen bleibt, baut es noch einmal mit Gegenständen. Verstehen hilft oft beim Merken.
  • Fortschritt zeigen. Eine Tabelle mit den gekonnten Aufgaben, die sich langsam füllt, motiviert sehr.
  • Die Stoppuhr weglassen, wenn sie Stress macht. Tempo kommt nach der Sicherheit.
  • Mit der Lehrkraft sprechen, wenn dein Kind auch beim Zählen, beim Vergleichen von Zahlen oder bei kleinen Summen große Mühe hat. Lehrkräfte kennen viele Kinder und können einschätzen, ob mehr Unterstützung sinnvoll ist.

Das Einmaleins braucht bei fast jedem Kind Zeit. Fünf ruhige Minuten am Tag bringen euch weiter als eine lange, angespannte Stunde am Sonntag.

Fragen, die Eltern stellen

In welchem Alter lernen Kinder das Einmaleins?

Die meisten Kinder fangen mit 7 oder 8 Jahren an. In den USA bauen die Common-Core-Standards in der 2. Klasse Punktefelder und wiederholtes Addieren auf, in der 3. Klasse folgt die Multiplikation. Am Ende dieses Jahres sollen Kinder alle Produkte aus zwei einstelligen Zahlen auswendig wissen. In vielen Ländern lernen Kinder das etwa im Alter von 7 bis 9 Jahren.

Soll mein Kind Multiplikation verstehen, bevor es das Einmaleins auswendig lernt?

Ja. Ein Kind, das weiß, dass 3 × 4 für 3 Gruppen mit je 4 steht, kann sich eine vergessene Aufgabe selbst herleiten. Nimm dir ein bis zwei Wochen für gleiche Gruppen und Punktefelder, bevor das Auswendiglernen beginnt.

Welche Reihe sollen wir zuerst lernen?

Fang mit den Reihen an, die ein klares Muster haben: 1, 10, 2 und 5. Danach kommen 11, 4, 3 und 9. Spar dir 6, 8, 7 und 12 für zuletzt auf, denn dann sind die meisten Aufgaben daraus schon aus den früheren Reihen bekannt.

Wie lange dauert es, das kleine Einmaleins zu lernen?

Das ist bei jedem Kind anders. Viele Kinder lernen bei kurzem täglichem Üben alle ein bis zwei Wochen eine neue Reihe. Langsamer ist völlig in Ordnung. Wer weitergeht, bevor eine Reihe sitzt, verliert später meist mehr Zeit.

Mein Kind vergisst die Aufgaben am nächsten Tag. Was hilft?

Kurzes, regelmäßiges Abfragen wirkt besser als lange Übungsrunden. Mische jeden Tag ein paar alte Aufgaben dazu, damit die früheren Reihen frisch bleiben, und halte jede Runde bei etwa 5 Minuten.

Helfen Lieder und Aufsagen?

Lieder können die Reihen vertraut machen, doch das Antworten aus dem Gedächtnis scheint besser zu wirken. In einer Studie von 2023 schnitten Zweitklässler, die mit Karteikarten übten, besser ab als Kinder, die dieselben Aufgaben laut aufsagten.

Kann Mühe mit dem Einmaleins ein Zeichen für eine Lernschwierigkeit sein?

Vielen Kindern fällt das Einmaleins schwer, deshalb ist Mühe allein noch kein Zeichen. Wenn dein Kind auch beim Zählen, beim Vergleichen von Zahlen oder bei kleinen Summen Probleme hat, sprich mit der Lehrerin oder dem Lehrer darüber.

Quellen

  1. Common Core State Standards, Klasse 3, Operationen und algebraisches Denken (3.OA.C.7)
  2. Ophuis-Cox, Catrysse and Camp (2023). The effect of retrieval practice on fluently retrieving multiplication facts. Applied Cognitive Psychology.
  3. The Hechinger Report: Karteikarten schlagen Wiederholen beim Auswendiglernen des Einmaleins

Üben mit der Eule Pip

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